Das Modell von O. H. Mowrer (1960) erklärt anhand zweier zentraler psychologischer Lernmechanismen, der klassischen und der operanten Konditionierung, wie Ängste entstehen und bestehen bleiben können. Auch hartnäckige Ängste können hierdurch als erlerntes Verhalten verstanden, systematisch auf aufrechterhaltende Bedingungen untersucht und schließlich mittels planvoller verhaltenstherapeutischer Methoden gezielt abgebaut werden. Bis heute ist es deshalb zentral in der Verhaltenstherapie und findet sich neben der Erklärung von Angststörungen, wie z. B. Agoraphobie, auch in Erklärungsansätzen zu Zwangsstörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen wieder. Doch was postuliert es nun genau?
Zunächst geht es von der Entstehung der Angst mittels klassischer Konditionierung (Ivan Pavlov) aus, also der Verknüpfung eines ursprünglich neutralen Reizes (z. B. ein Objekt, Ort, eine Situation oder ein Gedanke) mit einem negativen, potenziell ängstigenden Reiz (z. B. ein extrem unangenehmes Erlebnis wie eine Verletzung oder ein Kreislaufkollaps). Erlebe ich beispielsweise eine Panikattacke auf einem Jahrmarkt, so kann es dazu kommen, dass dieser für mich ehemals freudenerfüllte Ort nun an die Panikattacke gekoppelt ist und so für mich zukünftig selbst zum Angstauslöser wird.
Die Aufrechterhaltung der Angst wird im Modell nun durch die operante Konditionierung (B. F. Skinner), einen weiteren Lernmechanismus, erklärt. Hierbei kommt es durch die Vermeidung des Angstauslösers zunächst zu einer Erleichterung; man spricht von der negativen Verstärkung des Vermeidungsverhaltens. Bei mir mag so bei der Ablehnung einer Einladung zum Jahrmarkt das Empfinden entstehen, der möglichen Bedrohung erneut ausgewichen zu sein. Doch was die Angst kurzfristig verschwinden lässt, erhält sie langfristig aufrecht: Über die Zeit führt mein Meiden dazu, dass ich leider nicht umlernen kann, dass der Jahrmarkt auch ein sicherer Ort sein kann, und auch mögliche schöne neue Erlebnisse mit Freunden dort bleiben aus.
Quellen:
Mowrer, O. H. (1951). Two-factor learning theory: summary and comment. Psychological Review, 58(5), 350–354.
Schneider, S., & Margraf, J. (2017). Agoraphobie und Panikstörung (3. Aufl.). Hogrefe Verlag GmbH & Company KG.




