Eine Gruppentherapie dient als ein kleiner sozialer Mikrokosmos, der es ermöglicht, Probleme in einem realistischeren, interpersonellen Rahmen zu bearbeiten:
- Erfahrung, nicht allein zu sein (Universalität): In einer Gruppe entsteht ein Austausch mit anderen, die ähnliche Probleme oder Symptome haben. Das dadurch entstehende Gefühl von Verbundenheit und die Erkenntnis, mit den eigenen Schwierigkeiten nicht allein zu sein, wirken stark entlastend und normalisierend.
- Lernen am Modell und neue Perspektiven: Gruppenmitglieder profitiert von den Erfahrungen, Lösungsansätzen und Bewältigungsstrategien der anderen Gruppenmitglieder (Modelllernen).
- Interpersonelles Feedback: Die Gruppe ist ein sicherer Raum, um den Umgang mit anderen zu üben, soziales Feedback zu erhalten, die eigene Wirkung auf andere besser einzuschätzen und Kommunikationsschwierigkeiten direkt anzugehen. Das stärkt die soziale Kompetenz und das Selbstwertgefühl.
- Gegenseitige Unterstützung und Stärkung: Die Gruppenmitglieder können sich gegenseitig emotionalen Rückhalt bieten und durch die Fortschritte anderer Motivation und Zuversicht schöpfen.
✅ Gruppentherapie ist mindestens gleich wirksam wie Einzeltherapie
- Äquivalente Wirksamkeit: Zahlreiche Meta-Analysen (Studien, die die Ergebnisse vieler Einzelstudien zusammenfassen) kommen zu dem Schluss, dass die Gruppentherapie in Bezug auf die Symptomreduktion und den Behandlungserfolg gleichwertig oder nahezu gleichwertig zur Einzeltherapie ist.
- Dies gilt sowohl für störungsübergreifende Vergleiche als auch für viele spezifische Störungsbilder (z.B. Angststörungen).
- Besondere Wirkfaktoren: Die Studien bestätigen die einzigartigen gruppenspezifischen Wirkfaktoren (wie die Universalität, das Lernen am Modell und das interpersonelle Feedback), die in der Einzeltherapie nicht oder nur schwer erzielt werden können.
- Langzeit-Effekte: Manche Studien deuten sogar darauf hin, dass die Langzeit-Gruppenpsychotherapie im Vergleich die wirksamste Behandlungsform sein kann, auch in der Selbsteinschätzung der Patient:innen.
Resüme: Die wissenschaftliche Evidenz ist deutlich: Gruppentherapie, insbesondere in der Verhaltenstherapie, ist eine hochwirksame und etablierte Behandlungsform.
Eine Kombination aus Einzeltherapie und Gruppentherapie wird von der Forschung gestützt, da sie die Stärken beider Settings optimal vereint. Die vorhandene Evidenz spricht dafür, dass die sogenannte Kombinationstherapie in vielen Fällen wirksamer als die reine Einzeltherapie sein kann, insbesondere wenn interpersonelle Probleme im Vordergrund stehen.
Quellen:
– Yalom (2020): The Theory and Practice of Group Psychotherapy. Basic Books.
– Barkowski, Schwartze, Burlingame, Strauß, Rosendahl (2016): Outcome differences between individual and group formats when identical and non-identical treatments, patients, and doses are compared: A 25-year meta-analytic perspective. (Veröffentlicht in Psychotherapy).
– Burlingame, Fuhriman & Mosier (2003): The differential effectiveness of group psychotherapy: A meta-analytic perspective. (Veröffentlicht in Group Dynamics: Theory, Research, and Practice).